Die Schere im Kopf – Medien in Albanien

Anfang Januar 2011 rückte Albanien wieder in den Fokus der europäischen Öffentlichkeit. In der Hauptstadt Tirana demonstrierten die Menschen gegen „Korruption, Machtmissbrauch und Wahlfälschung“. Die Situation eskalierte, drei Demonstranten wurden erschossen. Die Medien des Landes berichteten live von den Unruhen. Sie lieferten zum Beispiel spektakuläre Fernsehbilder von einem Demonstranten, der, getroffen von einer Kugel, zusammenbricht.

Doch wie steht es allgemein um die Medien in Albanien? Können sie frei und unabhängig berichten? Inwiefern werden die Bürger kritisch über die Regierungsarbeit informiert? Dazu hören Sie einen Beitrag von Sara Schurmann.

Sie sprach dafür mit dem albanischen Journalisten Pandeli Pani und dem Südosteuropa-Experten Dr. Marc Stegherr.

Pandeli Pani ist Redakteur der Deutschen Welle im Südosteuropa-Programm in der Albanien-Redaktion. Der Albaner arbeitet als Journalist in Deutschland und Albanien. Er lebt seit 1990 in Deutschland und lehrt hier unter anderem an der Universität Jena Albanologie.

Dr. Marc Stegherr hat unter anderem die Lage der Medien in Albanien untersucht hat. Er ist Dozent für Landeskunde Südosteuropa an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Stegherr arbeitet auch als landeskundlicher Südosteuropa-Berater, unter anderem für die KFOR und die Bundeswehr. Zusammen mit Kerstin Liesem hat er das Buch „Die Medien in Osteuropa. Mediensysteme im Transformationsprozess“ verfasst.

Moderation Joachim Fulda.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag von Marc Stegherr Zwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Zur Entwicklung der Medien in Osteuropa im Fachjournalist Heft 1/2011.

Kinder sind die Zeitungsleser von morgen

Logo, Lilliputz und Kakadu – Nachrichten für Kinder. Neben Radio und Fernsehen existieren zahlreiche Nachrichtenangebote für Kinder noch im Internet.
Das Kind als Zielgruppe. Aufbereiten und Anbieten kindgerechter Nachrichten nimmt an Bedeutung zu. Auch deutsche Zeitungen folgen kontinuierlich diesem Trend. Dies bestätigte eine Chefredakteursbefragung von 157 Verlagen. Die Studie wurde im Auftrag des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger (BDZV) im Jahr 2006 durchgeführt.
Etwa drei Viertel der Verlage geben an, redaktionelle Angebote für Kinder im Blatt zu haben. Alleine in den Jahren von 2001 bis 2007 ist das Angebot an kompletten Kinderseiten bei Zeitungen um etwa ein Drittel gestiegen, wie der BDZV berichtet.
So spielen auch zunehmend Presseagenturen auf dem Markt für Kindernachrichten eine Rolle. Eine Presseagentur, die ausschließlich Nachrichten für Kinder produziert ist die Bremer Agentur für Kindermedien. Inhaberin und Chefredakteurin ist Dr. Judith Roth. Sie hat mit Hilfe von Journalisten, Medienwissenschaftlern und Pädagogen die Nachrichten für ihr Produkt „Klaro-Safaro“ entwickelt.
Tanja Lammerding sprach mit Frau Dr. Roth über ihre Arbeit.

Christliche Journalisten im Widerstand

Wo autoritäre Regime an der Macht sind, wird eine freie und kritische Berichterstattung unterdrückt. So auch in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus. Während viele Journalisten sich instrumentalisieren ließen, schwiegen oder ins Exil gingen, leisteten einige mutige Männer und Frauen im Dritten Reich Widerstand und mussten das mit dem Leben bezahlen. Trotz ihres schrecklichen Schicksals, sind sie noch heute Vorbilder, vor allem angesichts der Unterdrückung der Pressefreiheit in Ländern wie Russland und Iran.

Prof. Dr. Helmut Moll ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts und Professor an der Wissenschaftlichen Hochschule Weilheim. Im Interview mit Leonie Feuerbach erläutert er die Bedeutung des christlichen Widerstandes im Nationalsozialismus und erklärt, wie kritische Informationen in einer Zeit ohne Twitter, Blogs und Youtube verbreitet wurden.

Den Artikel Wie christliche Journalisten als Widerständler der NS-Ideologie zu Opfern der Gewalt wurden lesen Sie im Fachjournalist Heft2/2009 von Prof. Dr. Helmut Moll.

Massenmedien – kleine oder große Wirkung auf den Rezipienten?

Ob Fernsehen, Radio, Zeitungen oder das World Wide Web – was wäre unsere Welt ohne die Massenmedien? Massenmedien vermitteln bestimmte Inhalte – beispielsweise Informationen – an eine anonyme Masse von Menschen. Sie sind Repräsentant der Öffentlichen Meinung, manchmal Sprachrohr von Minderheiten und damit unverzichtbarer Bestandteil moderner Massenkommunikation. Im aktuellen Fachjournalist wird die besondere Verantwortung der Journalisten als „vierte Gewalt“ in der Demokratie hervorgehoben. In einem der letzten Podcasts zum Thema Politikjournalismus wurde bereits gezeigt, dass sich auch Politiker der Medienmacht nicht entziehen können.
Die enorme Bedeutung der Massenmedien scheint unstrittig zu sein – doch welche Wirkung entfalten sie eigentlich bei den Rezipienten – den Menschen, die vorm Fernseher sitzen, Radio hören oder Zeitungen lesen und massenmedial vermittelte Inhalte aufnehmen?
Können Massenmedien Meinungen verändern oder verstärken, Wahlentscheidungen der Menschen kippen, wird die Macht der Massenmedien in dieser Hinsicht überschätzt? Kann man überhaupt eine tatsächliche Wirkung nachweisen, oder sucht man vergeblich nach Effekten der Medien auf den Rezipienten?
Darüber sprach Hermann Tydecks mit Mike Friedrichsen, Professor für Media Economics and Media Business an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

Das im Podcast erwähnte Hörspiel von Orson Welles finden Sie auf YouTube.

Spannungsfeld Journalismus und Werbung

Zwei Drittel der Printmedien finanzieren sich heute – je nach Genre – durch Anzeigen. Dabei ist die Anzeigenwerbung schon lange eine Zweckallianz zwischen Unternehmen und Verlegern: Seit über 150 Jahren floriert der Markt. Anfang des 20ten Jahrhunderts professionalisierte sich sogar die Werbung gleichzeitig mit dem Journalismus. Vor diesem Hintergrund wird gerne spekuliert, ob zahlungskräftige Werbekunden Einfluss auf die Inhalte einer Zeitung nehmen. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es jedoch kaum.
Der Kommunikationswissenschaftler Nils Andresen untersuchte Artikel des Spiegels und der Süddeutschen Zeitung darauf, ob und in welchem Ausmaß deren Anzeigenkunden Einfluss auf die redaktionellen Beiträge haben. Damit machte er erste wissenschaftliche Schritte auf der nahezu weißen Landkarte dieses Forschungsbereichs.

Friederike Schwabel sprach mit Nils Andresen, dessen Beitrag Der Einfluss von Anzeigenkunden auf die redaktionelle Berichterstattung in der Qualitätspresse im Fachjournalist Heft 4/2008 zu lesen ist.