Reisejournalismus: Reisebericht ist nicht gleich Reisebericht

Ferne Länder entdecken und Abenteuer erleben, das finden viele Menschen faszinierend. Davon profitiert auch der Reisejournalismus: Reisezeitschriften und -sendungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

In Deutschland gibt es etwa 40 Reisemagazine und rund 200 Zeitschriften und Zeitungen mit Reise-Ressort. Hinzu kommen zahlreiche Fernsehsendungen und Radiobeiträge. Auch im Internet lassen sich immer mehr Reiseblogs finden. Die Branche boomt.

Was den Reisejournalismus kennzeichnet, darüber sprach Annika Grunert mit Professorin Dr. Tatjana Thimm.

Tatjana Thimm arbeitete nach ihrem Studium der Wirtschaftsgeographie, Romanistik, Volkswirtschaftslehre und Internationalen Zusammenarbeit einige Zeit als freie Journalistin. Seit 2007 ist sie Professorin für Tourismusmanagement an der HTWG Konstanz. Neben Themen wie Regionalentwicklung, Kulturtourismus und touristische Erlebnisinszenierung widmet Thimm sich in ihrer Forschung und ihren Publikationen dem Reisejournalismus.

Expertise, Flexibilität, crossmediale Kompetenz: Wegweiser durch die Medienkrise

Der Qualitätsjournalismus steckt in der Krise. Und das nicht erst seit heute. Das „Aus“ von „Financial Times“ und die Entwicklungen bei „Frankfurter Rundschau“, dapd und der “Westfälischen Rundschau“ haben die Debatte um die Zukunft der Branche verstärkt.

Was bedeutet diese Entwicklung für Fachjournalisten? Gibt es noch „sichere“ Ressorts, die eine Spezialisierung sinnvoll erscheinen lassen? Inwieweit wird das Internet weiterhin den Markt verändern und wie können Fachjournalisten auf die sich wandelnden Anforderungen reagieren?

Im Jahr 2010 ist eine vom Deutschen Fachjournalisten-Verband geförderte Studie zu den Rahmenbedingungen von Qualitätsjournalismus in strukturellen und konjunkturellen Krisenzeiten erschienen.

Friederike Schwabel sprach mit dem Leiter der Studie, Klaus Beck, Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Leiter der Arbeitsstelle Kommunikationspolitik/Medienökonomie an der Freien Universität Berlin darüber, wie die Branche sich verändert und wie Fachjournalisten sich in dem schwierigen Markt positionieren können.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der oben genannten Studie ist unter dem Titel „Quo vadis journalistische Qualität?“ im Fachjournalist erschienen.

Die Vielfalt des Fachjournalismus

„Landlust“, „Ct“ und „Golfmagazin“: Zeitschriften rund um die Themen Land, Technik und Sport. Doch nicht jeden interessiert es, wie man Kräuter und Gartenblumen zu einem Kranz bindet, ob ein weiterer WLAN-Router mit 450 Mbit/s auf dem Markt kommt und mit welchem Pitch die Fahne attackiert wird. Das bedeutet: Zielgruppe statt breites Publikum für die Auflage.
In Deutschland sind, laut dem Mediendienst „media-info.net“, etwa 3500 Fachzeitschriften gelistet, darunter etwa 1500 Titel mit einem wissenschaftlichen Fokus sowie Titel mit kleiner Auflage. Das alles eingeteilt in Fach- und Untergruppen.
Ob Dienstleistung, Industrie, Handel oder Medizin, für jeden Wissensdurst ist etwas dabei. So finden diese Themen im Journalismus ihren Platz. Die fachliche spezialisierte Journalistentätigkeit, bei der sich der Journalist auf ein Fach, ein Thema oder einen Gegenstand spezialisiert, ist der Fachjournalismus. Das sagt der Deutsche Fachjournalisten-Verband.
Sportjournalismus, Wirtschaftsjournalismus, Technikjournalismus und Reisejournalismus, um nur einige Themenfelder zu nennen. Die Vielfalt ist groß. Ist es denn ein Fachjournalismus oder sind es die Fachjournalismen? Und wie grenzen sich die Fachmedien genau ab?

Prof. Dr. Beatrice Dernbach ist Professorin für Journalismus in Theorie und Praxis an der Hochschule Bremen. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem Fachjournalistik und Fachjournalismus. In ihrem Buch „Die Vielfalt des Fachjournalismus – eine systematische Einführung“ hat sie das Thema genauer unter die Lupe genommen. Joanna Lawrynowicz hat mit ihr gesprochen.

Fachjournalismus heute

Wirtschaftsjournalismus, Medizinjournalismus, Sportjournalismus, Reisejournalismus, Agrarjournalismus – diese Reihe geht noch weiter. Es lassen sich heute zwanzig Sparten im Fachjournalismus unterscheiden. Auch was das Selbstverständnis der Journalisten betrifft, hat sich der Fachjournalismus etabliert. Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München im Auftrag des Deutschen Fachjournalistenverbands identifizieren sich rund 35 Prozent der freien Journalisten mit der Berufsbezeichnung „Fachjournalist“.
Christa Weiß spricht dazu mit Prof. Dr. Siegfried Quandt. Er gründete 1984 den Studiengang Fachjournalistik Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und ist Präsident des Deutschen Fachjournalistenverbands.

Den Artikel „Zur Bedeutung des Fachjournalismus heute“ von Prof. Dr. Siegfried Quandt können Sie im Fachjournalist Heft 3/2008 lesen.